TOUCH and Ghost

9 Jan 2016 - 6 Feb 2016 — Galerie Carlier | Gebauer, Berlin
Asta Gröting, Ghost, 2015 silicone, polyurethan, 194 x 300 x 40 cm

http://www.carliergebauer.com/exhibitions/touch_and_ghost

In Grötings vielfältiger künstlerischer Praxis, die sie seit Mitte der 1980er entwickelt hat, übersetzt Gröting skulpturale Ansätze und Gedanken in unterschiedliche Medien. Ihre Arbeiten stellen das gesellschaftliche Miteinander in den Mittelpunkt, auf einer emotionalen wie auf einer konzeptuellen Ebene gleichermaßen. Sie verflechten psychologische wie soziale Bezüge zu persönlichen, kollektiven und politischen Aussagen.

Die Video-Installation TOUCH bildet das Hauptwerk der Ausstellung. Gröting hat dafür elf Personen eingeladen, die auf die eine oder andere Weise ihr Leben berührt haben – darunter Kollegen, Freunde, Familienmitglieder oder Personen des öffentlichen Lebens, die einer nach dem anderen porträtiert werden. Gedreht in einem abgedunkelten Raum, wird jeder einzelne Porträtierte durch ein helles Scheinwerferlicht beleuchtet. Jede Person blickt der Künstlerin über die gesamte Zeit fest in die Augen, während diese die Konturen ihrer Gesichtszüge mit den Händen nachfährt und erkundet. Durch diesen Akt des Tastens, Abmessens und Befühlens setzt Gröting eine Form des Porträtierens in Szene, die einerseits an traditionelle bildhauerische Bewegungsabläufe denken lassen als auch auf der anderen Seite an medizinische Massage-Handgriffe erinnern. Ihre Finger zeichnen die Umrisslinien der Gesichter jeder Person mit merklichen Unterschieden in Tempo und Umfang der Bewegungen nach, wodurch die Individualität jedes Körpers als Landschaft mit unterschiedlichen Eigenheiten artikuliert wird, verflochten in intimer körperlicher Nähe zur Künstlerin.

Das Video Buddy Big Mountain erzählt die Geschichte des gleichnamigen indianischen Bauchredners, der auch in den Arbeiten TOUCH und „The Inner Voice“ (1993-2004) mitwirkt. Bei den Aufführungen und Videoarbeiten „The Inner Voice“ führen verschiedene Bauchredner Dialoge mit einer von der Künstlerin entworfenen Puppe. Im Falle von Buddy Big Mountain stellt er als Native American die Innere Stimme Amerikas dar. Das berührende Video-Portrait befasst sich eingehender, tiefer und direkter mit der konfliktbeladenen Beziehung des Landes zu den Ureinwohnern Amerikas. Indem Big Mountain seine eigene Familiengeschichte wie auch seinen persönlichen kreativen und professionellen Werdegang als Bauchredner dem Zuschauer erzählt, legt er gleichzeitig Zusammenhänge von Spannungen zwischen den verschiedenen Indianerstämmen und Diskriminierungen offen.

Grötings Skulptur Ghost (2015) ist die Fortsetzung der Serie „Space Between a Family“, die sie 2010 begonnen hat. Diese Serie besteht aus lebensgroßen Abgüssen der engsten Familienangehörigen der Künstlerin. Die Figurengruppe verändert und wandelt sich im Laufe der Jahre, einige wachsen, während andere ganz verschwinden. Deborah Levy, die britische Autorin, die ebenfalls in TOUCH erscheint, beschreibt diese Skulpturen-Serie mit den Worten: This series of sculptures is „a celebration and conservation of life, it is also an unsentimental gaze at family relations – the empty but haunted space of all that is unspoken between them.“ Konzeptuelle und emotionale Fragestellungen zum gesellschaftlichen Miteinander werden durch dieses Weglassen aufgeworfen, Gröting „gibt dieser Abwesenheit Raum, für sich selber zu sprechen.“